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Lie­be Schwes­tern und Brü­der, lie­be Mitmenschen,

im Oster­mor­gen grün­det unser Glau­be, in ihm hat er sei­ne Mit­te, ohne ihn ist er Trug und Lüge.
Vie­le Chris­ten­men­schen tun sich schwer mit der Mit­te unse­res Glau­bens — der Bot­schaft von Auf­er­ste­hung.
Es könn­te dar­an lie­gen, weil sie schwer zu ver­ste­hen ist — nicht, weil sie schwie­rig, son­dern weil sie ein­fach und uns nah ist.
Es ver­hält sich so, wie mit Glä­sern oder Tas­sen.
Ob sie nun groß oder klein, kost­bar oder für den all­täg­li­chen Gebrauch sind, das Wesent­li­che und der Nut­zen liegt in der Lee­re der Gefä­ße.
Oder wie bei einem Haus oder einer Woh­nung, ob Vil­la oder klei­nes Apart­ment, der Nut­zen liegt in der Lee­re des Rau­mes.
Am Oster­sonn­tag wird uns wie­der das Evan­ge­li­um des Johan­nes ver­kün­det wer­den (Joh 20,1–18).
Maria von Mag­da­la geht im Mor­gen­grau­en zum Grab, um dem nah zu sein, der sie ins ech­te Leben geführt hat­te — Jesus, ihr Rab­bu­ni, ihr Lebens­meis­ter.
Was sie fin­den wird, ist Lee­re.
Ein offe­nes und lee­res Grab.
Sie beugt sich tief in die Grab­höh­le hin­ein, wen­det sich ihr zu in der Hoff­nung auf Nähe.
Es ist auch ein Bild ihrer Trau­er, in die sie sich hin­ein­be­gibt in der Tie­fe ihres Her­zens.
In ihrer Lee­re — in der Lee­re des Gra­bes begeg­net sie den Engeln — in der Bibel ein Bild für eine wesent­li­che Bot­schaft Got­tes.
In der Lee­re bekommt sie eine ers­te Ahnung von dem, was Jesus ja gelebt und gelehrt hat — Gott ist der „Ich-bin-für-dich-da“.
Denn sie wen­det sich ab und geht hin­aus in den Gar­ten noch suchend die letz­te Hoff­nung, den Leich­nam ihres Herrn.
„Maria“ hört sie den Frem­den sagen.
Sie will ihn hal­ten, grei­fen und … begrei­fen?
Erneut muss sie Jesus ver­lie­ren, um Gewiss­heit zu gewin­nen.
Es ist Maria von Mag­da­la, eine Frau, die in der Gesell­schaft ihrer Zeit kei­ne Stim­me hat­te, die zur ers­ten Zeu­gin des Auf­er­stan­de­nen wird.
„Ich habe den Herrn gese­hen.“, wird sie den Apos­teln sagen.
In der Lee­re des Lebens, im Lebens­mo­ment, wo alles gestor­ben ist, in der Nacht, wenn alles dun­kel ist, da geschieht Wesent­li­ches — so schrei­ben es die Evan­ge­lis­ten.
Die Lee­re darf nie­man­dem gewünscht wer­den und kei­ne Men­schen­see­le darf vom Men­schen ins Dunk­le geführt wer­den.
Doch für die Men­schen, die Jesu Wor­ten ver­trau­en, die mit dem Gott „Ich-bin-da-für-dich“ leben, kön­nen sich all dem stel­len, weil im tiefs­ten Abgrund Got­tes Wort zu hören ist, der sagt: Ich will, dass Du bist und lebst, wie Du bist.

Im Namen des Pas­to­ral­teams wün­sche ich Ihnen und allen Ihren Lie­ben ein geseg­ne­tes und fro­hes Osterfest!

Ihr Pfar­rer Dirk Salzmann