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Pas­to­ra­ler Raum
Hagen-Mit­te-West

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Neues aus dem pastoralen Raum

  • Wenn Got­tes Lie­be brennt

    Viel­leicht ist es Ihnen auch schon ein­mal so gegan­gen wie mir: Man liest in den Pfarr­nach­rich­ten die Mess­in­ten­ti­on „für die armen See­len im Fege­feu­er“ und stol­pert inner­lich dar­über.
    Die Spra­che wirkt alt, das Bild viel­leicht sogar ver­stö­rend.
    Und doch ver­birgt sich dahin­ter eine tie­fe christ­li­che Hoffnung.

    Eine Mess­in­ten­ti­on bedeu­tet, dass die hei­li­ge Mes­se in einem beson­de­ren Anlie­gen gefei­ert wird.
    In der Eucha­ris­tie brin­gen wir Men­schen vor Gott — Leben­de eben­so wie Ver­stor­be­ne.
    Wir ver­trau­en dar­auf, dass unse­re Ver­bun­den­heit und unser Gebet nicht ein­fach im Tod enden.

    Doch gera­de das Wort „Fege­feu­er“ führt leicht in die Irre.
    Das latei­ni­sche pur­ga­to­ri­um ver­weist auf Rei­ni­gung.
    Gemeint ist weni­ger ein Ort als die Reinigung/ Läu­te­rung und Voll­endung des Men­schen durch Gott.
    Die Bibel spricht davon in Bil­dern.
    Got­tes Feu­er muss nicht phy­sisch bren­nen, nicht ver­nich­ten, son­dern kann ver­wan­deln — wie bei der Begeg­nun­gen zwi­schen Mose und Gott am bren­nen­den Dorn­busch, der brennt und doch nicht ver­brennt (vgl. Ex 3,2).

    Die Refor­ma­to­ren lehn­ten die katho­li­sche Leh­re vom Fege­feu­er ab, das Kon­zil von Tri­ent hielt an ihr fest.
    Bibli­sche Wur­zeln fin­den sich etwa im zwei­ten Buch der Mak­ka­bä­er, wo das Gebet für die Ver­stor­be­nen bezeugt wird (vgl. 2 Makk 12,44–45).
    Auch die frü­he Kir­che kann­te die­ses Gebet.
    Gewiss gab es spä­ter Fehl­ent­wick­lun­gen und eine Fröm­mig­keit, die mit der Angst vor Fege­feu­er und Höl­le arbei­te­te.
    Doch das darf den Kern die­ser Hoff­nung nicht ver­de­cken.
    Das Pur­ga­to­ri­um ist kei­ne „Höl­le light“! Es geht um die Voll­endung derer, die zu Gott gehören.

    Pau­lus schreibt an die Gemein­de in Korinth: „Das Werk eines jeden wird offen­bar wer­den … Er selbst aber wird geret­tet wer­den, doch so wie durch Feu­er hin­durch“ (vgl. 1 Kor 3,12–15). 
    „Wie durch Feu­er hin­durch — die­ses Bild spricht mich an.
    Ich ken­ne mei­ne Gren­zen und weiß, wie oft es mir an einer voll­kom­me­nen Lie­be fehlt.
    Das zu erken­nen, ist manch­mal unan­ge­nehm, manch­mal beschä­mend.
    Es kann sich wie ein inne­res Bren­nen anfüh­len.
    Ein­mal vor Gott zu ste­hen und mich selbst in sei­nem Licht zu erken­nen, stel­le ich mir schön und schmerz­haft zugleich vor: schön, will ich geliebt bin, weil ich Gott schau­en und für immer in sei­ner Gemein­schaft leben darf; schmerz­haft, weil ich
    erken­ne, wo ich sei­nem Gebot der Lie­be nicht ent­spro­chen habe: wo ich mich selbst, mei­ne Nächs­ten und Gott nicht so geliebt habe, wie es mög­lich gewe­sen wäre.

    Des­halb ver­traue ich dar­auf, dass Gott uns heilt und voll­endet.
    Dass die Kir­che für die Ver­stor­be­nen betet, ist für mich kein Aus­druck von Angst, son­dern ein Zei­chen der Hoff­nung auf Got­tes Barm­her­zig­keit — auf sei­nen hei­len­den Blick der Lie­be, ein Zei­chen der Ver­bun­den­heit des Lei­bes Chris­ti über den Tod hin­aus. Ich bin über­zeugt, wir kön­nen unse­ren Ver­stor­ben etwas gutes tun -„den Rücken stär­ken“.
    Das Ziel ist die ewi­ge Gemein­schaft mit Gott.

    Von Maria glaubt die Kir­che, dass sie bereits mit Leib und See­le in Got­tes ewi­ge Gemein­schaft auf­ge­nom­men ist.
    Für sie brau­chen wir nicht mehr beten.
    Sie betet für uns.
    Das fei­ern wir am 15. August: Mariä Auf­nah­me in den Him­mel.
    In ihr sehen wir das Ziel, zu dem auch wir alle unter­wegs sind.
    Maria erin­nert uns dar­an, dass unser Leben nicht im Tod endet, son­dern in Got­tes Lie­be sei­ne Voll­endung fin­det.
    Sie macht uns Mut, die­sem Gott zu ver­trau­en: dem Gott, der nicht ver­nich­tet, son­dern rei­nigt; der nicht ver­wirft, son­dern heilt und vollendet.

    Ihr Mike Hott­mann, Vikar