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Lie­be Geschwis­ter im Glauben!

Wir befin­den uns in einem Hei­li­gen Jahr, das unter dem Mot­to „Pil­ger der Hoff­nung“ steht.
Ver­ste­hen Sie sich als Pil­ger?
Ein Pil­ger ist nicht nur jemand, der einen geo­gra­fi­schen Weg geht, son­dern auch jemand, der sich auf eine inne­re Rei­se begibt – eine Rei­se des Suchens und Wach­sens.
Sich als Pil­ger zu ver­ste­hen bedeu­tet für mich auch, sich von fes­ten Struk­tu­ren und Gewohn­hei­ten inner­lich frei zu machen.
Ich beob­ach­te immer wie­der, wie schwer es mir selbst fällt, Gewohn­hei­ten zu durch­bre­chen.
Der bibli­sche Glau­be ermu­tigt uns, immer wie­der auf­zu­bre­chen und nicht still­zu­ste­hen.
Die Hoff­nung ist dabei unse­re treue Beglei­te­rin.
Sie gibt uns die Kraft, auch in schwie­ri­gen und unsi­che­ren Zei­ten wei­ter­zu­ge­hen.
Hoff­nung ist aber kei­ne nai­ve Zuver­sicht, son­dern eine fes­te, ver­trau­ens­vol­le Hal­tung gegen­über Gott und sei­ner Zusa­ge: Ich bin da. Ich las­se dich nicht allein!

Vor eini­gen Jah­ren las ich das Buch „Hoff­nung, die uns trägt“, in dem die Geschich­te von Kar­di­nal Văn Thuân erzählt wird.
Fran­çois-Xavier Nguyên Văn Thuân war ein viet­na­me­si­scher Geist­li­cher, der 13 Jah­re in Gefan­gen­schaft ver­brach­te, nach­dem er 1975 von der kom­mu­nis­ti­schen Regie­rung fest­ge­nom­men wur­de.
Trotz die­ser schwe­ren Jah­re bewahr­te er sei­nen Glau­ben an Jesu Chris­tus und sei­ne Hoff­nung.
Die Kraft, die Jah­re der Gefan­gen­schaft und beson­ders die der Iso­la­ti­on zu über­le­ben, zog Van Thuân aus der Eucha­ris­tie.
Mit Wein, den ihm sei­ne Ange­hö­ri­gen als „Medi­zin gegen Magen­schmer­zen“ schick­ten und ein­ge­schmug­gel­ten Hos­ti­en, manch­mal auch nur eini­gen Brot­kru­men, fei­er­te er täg­lich die hei­li­ge Messe.

Nie wer­de ich mei­ne gro­ße Freu­de in Wor­te fas­sen kön­nen: Mit drei Trop­fen Wein und einem Trop­fen Was­ser in der hoh­len Hand fei­er­te ich Tag für Tag die Mes­se.
Das war mein Altar, das war mei­ne Kathe­dra­le!
Ich hat­te die wah­re Medi­zin für See­le und Leib …“

Jah­re nach sei­ner Frei­las­sung wur­de er in Rom Vor­sit­zen­der des Päpst­li­chen Rates „Jus­ti­tia et Pax“ und bekannt für sei­ne tie­fe spi­ri­tu­el­le Weis­heit und sein Enga­ge­ment für den Frie­den.
Ein Selig­spre­chungs­ver­fah­ren läuft.
Kar­di­nal Văn Thuân ist für mich ein Bei­spiel dafür, dass wah­re Hoff­nung nicht von den Umstän­den abhängt, son­dern von der inne­ren Ver­bin­dung zu Gott.

Ihr Vikar Mike Hottmann

Lese­tipp:

Van Thu­an, Fran­cois Xavier Nguy­en: Hoff­nung, die uns trägt:
Die Exer­zi­ti­en des Paps­tes, Frei­burg 2012.