- Zwischen Feierlaune und Fasten
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ schallt es durch den Raum und es wird dabei Konfetti geschossen.
Eine finstere Aussicht geschmückt mit buntem Papier und lauter Musik.Die Kirchen als diejenigen, die dem ausgelassenen Treiben ein Ende bereiten — ein Gedanke, der längst nicht mehr die Mehrheit der Menschen berührt.
Wobei selbst die Zeit des Karnevals von den Krisen dieser Welt gezeichnet ist.
Wenn am Rosenmontag die mit Herzblut und viel Liebe zum Detail gestalteten Wagen durch die Straßen fahren, werden sie uns mit einem Schmunzeln daran erinnern, dass es im Karneval nicht um „Friede, Freude Eierkuchen“ geht, sondern ums Eingemachte.
Die Ernsthaftigkeit des Alltags, die uns in der jüngsten Vergangenheit dazu bewegt, deutliche Zeichen gegen Ausgrenzung und Hass zu setzten, spielt dort eine wichtige — wenn nicht sogar die zentrale Rolle.
Gerade Vielfalt und Diversität bekommen im Karneval ihren Ausdruck.
Wenn Menschen sich in die verschiedensten Rollen begeben, bunt und laut feiern, einzelnen Charakteren und ganzen Gruppen den närrischen Spiegel vorhalten, dann ist das eine klare Form des Farbe Bekennens in unserer Gesellschaft.
Wenn wir nun am Aschermittwoch als Christ:innen dazu aufgefordert werden, uns eben von diesem bunten Treiben abzuwenden, wäre das für diese Welt im Prinzip fatal.
Was bedeutet es also, wenn am Mittwoch die fünfte Jahreszeit endet und wir daran erinnert werden, dass wir „Staub sind und zu Staub zurückkehren“, dass wir „umkehren und an das Evangelium glauben“ sollen?Die Gläubigen versammeln sich, um mit dem Aschenkreuz auf der Stirn die Vergänglichkeit des Lebens zu bekennen.
Es ist der Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, eine Zeit des Verzichts und der inneren Einkehr.
Inmitten eines Konsumrausches und einer Kultur der Überflussgesellschaft erinnert uns Aschermittwoch daran, dass wahre Erfüllung nicht im Materiellen zu finden ist, sondern im spirituellen Wachstum und in der Nächstenliebe.In einer Zeit, in der die Gesellschaft zunehmend fragmentiert und polarisiert ist, könnten gerade diese religiösen Feiertage wichtige Impulse für eine gemeinsame Identität und ein tieferes Verständnis füreinander bieten.
Sie erinnern uns daran, dass wir trotz unserer Unterschiede eine gemeinsame menschliche Erfahrung teilen und dass Verzicht und Besinnung uns helfen können, eine tiefere Verbundenheit mit uns selbst, unseren Mitmenschen und dem Göttlichen zu finden.Rosenmontag und Aschermittwoch stehen somit nicht nur für Tradition und Glauben, sondern auch für die Suche nach Sinn und Zusammenhalt in einer sich stetig wandelnden Welt.
Mögen sie uns in dieser Zeit der Herausforderungen und Unsicherheiten daran erinnern, dass wahre Freude und Erfüllung nicht im Äußeren, sondern im Inneren zu finden sind.Ihr Thomas Wertz, Gemeindereferent
(Bild: matheus frade/ unsplash.com)
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