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  • Geist­li­cher Impuls (27. Novem­ber 2022)

    Pas­tor Huber­tus Böttcher

    Durchstarten

    Das Kir­chen­jahr ist ver­gan­gen. Mit dem ers­ten Advent star­ten wir ins neue Kir­chen­jahr. Die lit­ur­gi­schen Tex­te und auch der Name “Advent” erin­nert uns, dass wir unter­wegs sind. Und zwar nicht resi­gniert, son­dern vol­ler Hoff­nung. Einem Ziel ent­ge­gen – der Geburt Christi.

    Augen­blick­lich wird vie­les – manch­mal auch hys­te­risch – nega­tiv hoch­ge­rech­net. Manch­mal lie­fert nicht nur die Welt, son­dern auch die Kir­che Grün­de dafür.

    Hart­mut Rosa, Pro­fes­sor der Sozio­lo­gie, hat in die­sen Tagen ein pro­vo­ka­ti­ves Buch ver­fasst, das, so schreibt er, ihn zunächst selbst scho­ckiert hat: „Demo­kra­tie braucht Religion“.

    Im Deutsch­land­funk erklärt er dazu, Reli­gi­on lebe eben­so wie Demo­kra­tie von der Bereit­schaft, sich vom Ande­ren anru­fen und ver­wan­deln zu las­sen. Reli­gi­on for­de­re zur Reso­nanz, zum Ant­wort suchen her­aus, nicht aus sich selbst, son­dern aus der Begeg­nung. Nur wer sich her­aus­ru­fen lässt, hat Zukunft.

    Wir sind unter­wegs zur Geburt eines Kin­des, das wir als Got­tes­sohn und Men­schen­sohn ver­ste­hen. Jemand, der eine Bot­schaft hat und ist — dass wir die Zeit nach ihm berech­nen, der zum Mit­tel­punkt von Zeit und Welt gewor­den ist.

    Manch­mal tun wir so, als wäre das ver­staubt, wie ein altes Mär­chen­buch, das unge­nutzt in der Ecke unse­rer Exis­tenz liegt, her­vor­ge­kramt alle Jah­re wie­der. Wir erwar­ten das Heil und die Ret­tung von vie­len ande­ren Wer­­be-Bot­­schaf­­ten und nicht zuletzt von uns selbst.

    Es ist Zeit, eine per­sön­li­che Reso­nanz zu geben, auf die­ses Kind hin, dem Wen­de­punkt der Zeit.

    Gehen wir in den Advent, nicht nur mit vor­ge­zo­ge­nen „Wei­h­­nachts- märk­ten“, – und was unse­ren Appe­tit an Leben in Stim­mung brin­gen soll. Sor­gen wir uns nicht nur um die Wär­me unse­rer Woh­nung, son­dern auch um die Wär­me unse­rer Herzen.

    Viel­leicht dür­fen wir altes neu entdecken.

    Unter der Asche das Feu­er entdecken.

    In der Ohn­macht des Kin­des dem All­mäch­ti­gen begeg­nen. Und was ist das für eine Bot­schaft, auf der wir Reso­nanz nicht nur für uns, son­dern auch für die Men­schen mit uns, ent­de­cken könnten?

    Die Bot­schaft von Liebe.

    Lie­be, die nicht nur Sexua­li­tät, Gefühl oder Augen­blicks­gold ist, son­dern Leben für, Leben mit – Begeg­nung, die aus dem All­täg­li­chen Gött­li­ches wer­den lassen.

    Star­ten wir durch. Es ist Advent!

    Ihr

    Huber­tus Böttcher